Erntedank

Es war einmal ein kleines Mädchen, das wollte einen Apfelbaum pflanzen.

Es ging zum Markt, kaufte sich den schönsten Apfel, den es finden
konnte und aß ihn auf dem Heimweg genüßlich auf. Die Kerne behielt es
sorgsam in der Hand.
Zu Hause suchte das Mädchen eine wunderschöne Stelle in einer Ecke des
Gartens, grub dort ein kleines Loch und legte die Kerne hinein. Dann
baute es einen kleinen Zaun rund um die Stelle, damit der Vater beim
Rasenmähen den kleinen Baum, der hoffentlich bald wachsen würde, nicht
kaputtmachen konnte.

Jeden Tag, wenn das Mädchen nach Hause kam, ging es zu der Ecke im
Garten, um die Kerne zu gießen, denn es war in diesen Wochen sehr heiß
und die Sonne brannte vom Himmel.
Aber so sehr das Mädchen auch goß, es konnte nichts dagegen tun, dass
das Gras braun wurde und die Erde austrocknete. Auch die Erde in ihrer
kleinen Ecke wurde sehr trocken und die Kerne in der Erde gingen
kaputt.
Das Mädchen war sehr traurig, dass es in diesem Jahr keinen kleinen
Apfelbaum haben würde.
Aber im Jahr darauf wollte sie es wieder versuchen!

Sobald es Äpfel gab, ging das Mädchen also wieder zum Markt, kaufte
sich einen unglaublich schönen, roten Apfel, aß ihn auf und pflanzte
die Kerne wieder ein.
Aber diesmal baute sie auch ein kleines Dach über die Stelle, so dass
die Sonne die Erde nicht mehr austrocknen konnte.
Leider war in diesem Jahr nicht die Sonne das Problem, sondern der Regen.
Es regnete und regnete tagelang, so dass alles unter Wasser stand und
die Kerne in der Erde verfaulten.
Wieder war das Mädchen sehr traurig. Es hatte sich doch so sehr einen
Apfelbaum gewünscht!
Aber im nächsten Jahr würde es alles richtig machen, so dass der Baum
endlich wachsen würde!

Also ging das Mädchen ein Jahr später wieder zum Markt. Es kaufte und
aß den Apfel und bracht die Kerne nach Hause.
Diesmal aber pflanzte es die Kerne nicht im Garten ein, sondern in
einem kleinen Blumentopf auf dem Fensterbrett ihres Zimmers.
"So kann ich auch sofort sehen, wenn das Bäumchen zu wachsen anfängt!
Und hier ist es vor Sonne und Regen gut geschützt, es kann also nichts
passieren!" dachte das Mädchen glücklich.
Nur hatte es leider nicht mit dem Wind gerechnet...
In der Nacht kam ein heftiger Sturm, der den Topf vom Fensterbrett
fegte und die Erde und die Kerne in alle Richtungen verstreute!

"Jetzt gebe ich es auf! Ich schaffe es nie, ein Apfelbäumchen zu
pflanzen!" rief das Mädchen wütend, als es am Morgen den Topf am Boden
liegen sah.
Die Mutter des Mädchens schüttelte traurig den Kopf.
"Hier hast du noch einen Apfel, falls du es doch nochmal versuchen
magst" sagte sie.
Aber das Mädchen drehte sich um und warf den Apfel mit aller Kraft
über den Gartenzaun auf die Wiese. "Nein!" rief sie, "das wird doch
wieder nichts werden."
Und dann ging sie enttäuscht zur Schule.

Der Herbst ging vorbei, dann kam der Winter und bald hatte das Mädchen
ihren Wunsch nach einem Apfelbaum vergessen.
Aber wie staunte es dann, als es im Frühling auf die Wiese hinter dem
Gartenzaun hinaus schaute!
Dort, wo es den Apfel im Herbst voller Wut hingeworfen hatte, dort
wuchs ein kleiner Apfelbaum!