Im Bus

Ein Morgen an einem nicht ganz so guten Tag. Jeder kennt das: Man kommt nur sehr schwer aus dem Bett, schleppt sich ins Bad, alles braucht doppelt so lange, wie es sollte, keine Zeit fürs Frühstück. Zehn Minuten zu spät aus dem Haus, über die Straße zur Bushaltestelle, der Bus ist voll mit Schülern, so dass man sich grade noch so hinstellen kann, dass einen die sich schließende Tür nicht wieder auf die Straße hinausschiebt. Bei jeder Haltestelle aussteigen, Kinder rauslassen, wieder einsteigen – Morgensport der besonderen Art.

Und da ich ein Mensch bin, der jede – und damit meine ich auch wirklich JEDE – Stimmung voll auskostet, habe ich an diesem einen Tag im Bus zusätzlich noch ein paar düstere Gedanken extra aufgerufen und genüsslich gewälzt.
Das hat man mir wohl angesehen.

Bei der letzten Ampel vor der Endstation, die immer rot ist, wenn wir hinkommen und es grundsätzlich auch mindestens 15min lang bleibt (subjektive Wahrnehmung), beginnt der Fahrer, die Windschutzscheibe zu putzen und meint plötzlich: „Wissen Sie, ich habe so einen begehrten Job: die Leute an der Haltestelle warten alle nur auf mich.“
Hm? Redet der mit mir?
„Und wenn sie schon auf mich warten, sollen sie mich auch sehen können.“ tönt es vom Fahrersitz.
Gegen meinen Willen stiehlt sich ein kleines Lächeln in mein Gesicht und ganz automatisch öffnet sich mein Mund: „Aber gegen den Dreck außen an der Scheibe haben heute selbst die Scheibenwischer keine Chance, oder?“
„Naja, der Dreck wird von draußen ja auch reingeschleppt und durch die Lüftung verteilt er sich hier drinnen. Damit jeder was davon hat. Ich teile ja gern.“
Mein Lächeln wird größer.
„Auch wenn ich Schnupfen habe und sooo eine Nase,“ (eine baseballgroße Geste vor seinem Gesicht) „dann teile ich das auch immer gern.“
Jetzt muß ich lachen.
Und wir sind an der Endstation angelangt.

„Einen schönen Tag wünsche ich ihnen!“
„Danke, Ihnen auch!“
Hinter mir höre ich noch, wie er sich von den anderen Fahrgästen verabschiedet: „Schönen Tag noch. Und nichts vergessen!“

Eine sehr positive Geschichte, nicht?
Nur schade, dass Fahrer und Fahrgäste während der Fahrt nicht miteinander sprechen dürfen. ;-)