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Predigt "Berufung" - 12.08.2018

Joh 1,35-51

Predigt zum Anhören (mp3)

Habt ihr euch schon mal gefragt, ob Gott einen Plan für euer Leben hat?
Also ob Er für jeden einzelnen ganz konkret etwas vorbereitet hat, einen bestimmten Weg, eine besondere Aufgabe?
Hast du dich schon einmal gefragt, ob Gott eine Berufung für dich hat?

Dass Gott einen Plan für die ganze Welt hat, das lesen wir an verschiedenen Stellen in der Bibel.

Zum Beispiel:

  • Jeremia 29,11: Denn ich weiß genau, welche Pläne ich für euch gefasst habe, spricht der Herr. Mein Plan ist, euch Heil zu geben und kein Leid. Ich gebe euch Zukunft und Hoffnung.

  • Jes 65,17 „Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen.“

  • Joh 3,16-17 „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

  • Offb 21,3-4
    Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Gottes Plan für die Welt ist also, die Menschen zu retten; Er will Himmel und Erde noch schöner machen als das Paradies.

  • keine Tränen mehr

  • kein Leid mehr

  • echten Frieden

  • und eine innige Gemeinschaft mit Ihm

Das ist Gottes Plan für die ganze Menschheit.

Ganz ehrlich: Gott braucht uns nicht, um diesen Plan umzusetzen.
Er könnte auch mit einem riesengroßen Wunder über uns alle drüberfahren, so dass sich alle Menschen vor Ihm niederwerfen – wir könnten gar nicht anders;
Er kann durch ein einziges Wort die Welt vollkommen neu machen.
Wenn wir uns die Offenbarung des Johannes anschauen, dann kommt das auch irgendwann am Ende der Zeit, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.
Aber das möchte Gott nicht. Er möchte, dass sich jeder einzelne Mensch aus freiem Willen für Ihn, für Seinen Weg, für die Gemeinschaft mit Ihm entscheidet - das zieht sich durch die gesamte Bibel, durch die gesamte Geschichte Gottes mit uns Menschen. Und immer wieder beruft Er Menschen, die anderen Menschen von Ihm erzählen, so wie wir es auch in der Lesung gehört haben.

In diesem Text ist da zuerst Johannes der Täufer, der auf Jesus hinweist: „Seht, das Lamm Gottes!“
Er hat den Menschen schon so viel von Jesus erzählt, dass die beiden, die neben ihm stehen, jetzt richtig neugierig sind und diesem Jesus einfach mal nachgehen.
Andreas ist einer von diesen beiden und er holt später Simon dazu – Simon, der von Jesus dann den Namen Petrus bekommt. Und wir wissen, dass Petrus dann eine ganz wichtige Person wird.
Jesus selbst ruft am nächsten Tag Philippus, Ihm zu folgen – und Philippus geht dann zu Natanael und erzählt ihm ganz begeistert von Jesus.
Aber Natanael ist zuerst skeptisch – trotzdem geht er mit.
Vielleicht weil er seinen Freund noch nie so begeistert gesehen hat. Und dann begegnet er Jesus.

Da sind also Menschen an unterschiedlichen Stellen, mit verschiedenen Lebensgeschichten, mit unterschiedlichen Erfahrungen und Eigenschaften – und einer bringt den anderen zu Jesus.
Und so finden auch heute viele Menschen zu Ihm:
Durch jemanden, der ganz klar auf Jesus hinweist – wie Johannes der Täufer – so dass andere neugierig werden und sich auf die Suche machen.
Oder durch jemanden, der so von Jesus begeistert ist, dass man es ihm richtig ansieht und mit dem man dann einfach mal mitgeht, auch wenn man vielleicht skeptisch ist.
Und diese Menschen, die die Jesus schon kennen und von Ihm erzählen, gehören zu Seiner Gemeinde.

Im 1 Korinther-Brief in Kapitel 12, wird die Gemeinde mit den verschiedenen Gliedern des Körpers verglichen, d.h. da gibt es verschiedene Aufgaben.
Manche der Aufgaben sind scheinbar größer, andere kleiner; aber jede einzelne ist wichtig.
Und da lesen wir in Vers 18: Nun aber hat Gott jedes einzelne Glied so in den Leib eingefügt, wie es seiner Absicht entsprach.
Also wie Gott einzelne Menschen für die Aufgaben in Seiner Gemeinde zusammenführt, da steht eine Absicht dahinter.
Gott hat einen Plan für die Welt und Er hat auch einen Plan für uns, die er in Seine Gemeinde, in Seinen Dienst beruft.
Gott will Er uns ganz bewusst dabei haben bei Seinem Plan für die Welt.
Das ist Seine Berufung für jeden einzelnen von uns.

Und Er weiß auch, an welchem Platz, mit welchen Menschen wir unsere Begabungen gut einsetzen können, denn Er kennt uns in- und auswendig.

Das merken wir auch an der Begegnung zwischen Jesus und Simon:
Jesus schaute Simon an und sagte: »Du bist Simon, der Sohn des Johannes.
Dich wird man Kephas nennen« – heißt auf griechisch „Petrus“ und bedeutet Fels.

Und auch als Natanael Jesus trifft lesen wir:
Als Jesus Natanaël zu sich kommen sah, sagte er über ihn: »Seht doch! Das ist ein wahrer Israelit; ein durch und durch aufrichtiger Mann!«
Jesus sieht den Menschen an, der da vor Ihm steht und Er kennt diesen Menschen.

Gott kennt jeden einzelnen Menschen.
Und deshalb weiß Er auch ganz genau, an welchen Ort, in welche Gemeinschaft wir gut passen, bei welcher Aufgabe wir so richtig gut sind.
Er weiß, was wir selbst brauchen und wo wir anderen helfen können.
Gott hat den Überblick und Er möchte jeden von uns dorthin bringen, wo wir am besten aufgehoben sind.

Das ist wie in einem Projekt in einer Firma.
Ein guter Chef informiert sich, welche Fähigkeiten die Mitarbeiter haben und wird sie dann im Projektteam zusammenstellen, so dass sie gut miteinander arbeiten können.

Aber Gott ist eben nicht nur „Chef“, sondern Er ist unser Vater.
Er will uns nicht in Seinem Team dabei haben, damit wir einen möglichst guten Gewinn machen und das Ziel schnell erreichen, sondern damit wir eine Beziehung zu Ihm und zueinander aufbauen.
Denn gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten, gemeinsam einen Weg gehen – das verbindet und schafft eine lebendige und tragfähige Beziehung.
Das werden diejenigen kennen, die schon einmal gemeinsam an einem Projekt gearbeitet haben.
Oder die schon einmal hier in der Moga im Frühjahr beim großen Hausputz dabei waren, wenn wir gemeinsam saubermachen, aufräumen und Dinge reparieren.
Durch das gemeinsame Arbeiten lernt man einander wirklich intensiv kennen und das verbindet.

Gottes Ziel für alle Menschen ist es, dass jeder Mensch in Gemeinschaft mit Ihm lebt.
Und jeder, der mit Ihm gemeinsam auf dieses Ziel hinarbeitet, hat nicht nur jetzt schon diese Gemeinschaft mit Gott – sondern er hat durch dieses gemeinsame Arbeiten eine intensive Beziehung zu Ihm.
Wer vor zwei Jahren mit auf der Gemeindefreizeit war, erinnert sich vielleicht noch an das Bild zu Mt 11,30 wo Jesus sagt: Nehmt mein Joch auf euch, denn es ist leicht.
Da hat der Referent so ein Doppeljoch mitgebracht und zwei Menschen haben sich da druntergestellt.
Unter dem Joch Jesu gehen heißt, dass wir mit Ihm ganz eng zusammenarbeiten.
Er gibt uns die richtige Richtung und auch das richtige Tempo vor.
Und jede Last, die uns auf diesem Weg beschwert, dürfen wir dann hinten auf den Wagen legen und Jesus zieht das alles mit uns gemeinsam.
Wir dürfen dann jeden Schritt mit Ihm gemeinsam gehen und von Ihm lernen.

Wenn wir uns darauf einlassen, unter dem Joch Jesu zu gehen, mit Ihm zusammenzuarbeiten, dann wirkt sich das auf unser Leben aus.
Wir sind dann Salz und Licht für die Welt, wie Jesus in Mt 5,13-16 sagt. Jesus sagt nicht: „ihr sollt Salz sein" oder "ihr werdet Licht sein“, sondern „ihr seid es!“
Dadurch, dass wir zu Jesus sagen: „Ja, ich will Dir mit Dir durchs Leben gehen, ich will mit Dir gemeinsam arbeiten.“, dadurch sind wir Salz und Licht und können die Welt verändern.

Das klingt richtig schön, oder?
Aber es klingt auch herausfordernd und für manche vielleicht auch anstrengend.

Es gibt vielleicht einige hier, die erschöpft sind oder krank oder denen alles einfach zu viel ist.
Vielleicht denkt aber auch der eine oder andere über sich selbst: „Ich hab keine besonderen Fähigkeiten, die ich einsetzen kann. Ich glaube nicht, dass Gott mich für einen bestimmten Dienst brauchen kann.“

Den Erschöpften möchte ich zusprechen:
Gott schenkt uns auch Zeiten, um auszuruhen und in Seiner Gegenwart neue Kraft zu tanken.
Wir dürfen da an Elija in der Wüste denken, der vom Engel Gottes mit Essen und Trinken versorgt wurde und sich mal so richtig ausschlafen konnte.
Oder an den Besuch von Jesus bei Maria und Martha, wo Maria einfach mal bei Jesus sitzen und Ihm zuhören darf.
Auch in dem Text aus der Lesung gibt es diese schöne Stelle, wo die Jünger Jesus fragen: »Rabbi, wo wohnst du?« Und Er fordert sie auf: »Kommt und seht selbst!«
Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte und sie blieben den ganzen Tag bei ihm.

Den ganzen Tag bei Jesus bleiben. Das tut gut – und das ist wichtig, dass wir das auch immer wieder ganz bewusst machen.
Sonst sind wir irgendwann wie eine leere Schale und können nichts mehr tun, nichts mehr weitergeben.
Wir dürfen und sollen uns immer wieder von Gott selbst erfüllen lassen, bevor wir etwas anderes tun.

In 2 Kor 9,8 heißt es nach der Einheitsübersetzung:
In Seiner Macht kann Gott alle Gaben über euch ausschütten, sodass euch allezeit in allem alles Nötige ausreichend zur Verfügung steht und ihr noch genug habt, um allen Gutes zu tun. (EÜ2016)
Das ist Fülle im Überfluss! Gott versorgt uns umfassend.

Und denen, die glauben, sie hätten keine besonderen Fähigkeiten, sie hätten keine Berufung, die möchte ich fragen:
Gibt es in deinem Leben etwas, was dich so richtig mit Freude erfüllt?
Wo andere sagen, dass sie dir deine Begeisterung ansehen und dass sie von deiner Freude angesteckt werden? Musik, Sport, Dekoration, Schreiben, Zeichnen, Fotografieren…?
Oder etwas, was du einfach gut kannst, eine Aufgabe, die du treu, zuverlässig und gut erfüllst?
Oder vielleicht ist es einfach deine Art, wie du Menschen begrüßt, dein Lächeln, das für jemand anderen wie ein Sonnenstrahl ist und die Wolken vertreibt.
Auch wenn es für dich nur etwas Kleines zu sein scheint – für jemand anderen oder in Zusammenarbeit mit anderen Menschen ist es vielleicht wirklich wichtig.
Geh diesen Dingen nach. Frag Gott, ob das deine Berufung ist, ob das dein Platz ist.
Vielleicht wird Er es bestätigen – aber vielleicht zeigt Er dir auch, dass du das noch ausbauen kannst oder dass eine Veränderung dran ist.
Jede einzelne Eigenschaft ist wichtig und Gott kann und möchte mit jedem von uns gemeinsam arbeiten.

Und das gilt nicht nur für Aufgaben oder Dienste hier in der Gemeinde, sondern auch zu Hause, in der Arbeit, bei Freunden – ja sogar beim Einkaufen oder Spazieren gehen: alles, was wir mit Gott gemeinsam tun, ist wichtig.
Es geht nicht darum, dass du etwas Besonderes leistest oder besonders viel tust, sondern dass Du alles mit Gott tust, dass du immer „unter Seinem Joch“ bleibst.
Gott kann alles was wir sagen und tun, jede Begegnung, jedes Wort so gestalten, dass es zum Segen wird.

Wie kann das jetzt konkret aussehen, wenn wir uns mit Gott „im Projektteam“ zusammensetzen, um unseren Platz zu finden und mit Ihm gemeinsam zu arbeiten?

  • Gebet – vor allem hörendes Gebet: mit Gott im Gespräch bleiben

  • auch andere Leute fragen und sich hinterfragen lassen

  • die eigenen Fähigkeiten und Begabungen in Gemeinschaft ausprobieren

  • und dann wieder beten, hören und prüfen

Wichtig ist: wir dürfen das Schritt für Schritt angehen.
In einem Projekt ist es auch nicht so, dass am Anfang gesagt wird: du machst jetzt das, bis wir am Ziel sind – sondern es braucht immer wieder Abstimmung und Korrektur, es gibt neue Anforderungen, es passieren Fehler, unsere Lebenssituation ändert sich, Menschen gehen weg und andere kommen dazu.
Wir dürfen uns immer wieder mit Gott und miteinander abstimmen und gemeinsam auf das Ziel zugehen: Gottes neue, wundervolle Welt ohne Leid und ohne Tränen, wo alle Menschen in inniger Gemeinschaft mit Ihm leben.

Zum Schluss möchte ich das nochmal kurz zusammenfassen:

  • Gott kennt uns in- und auswendig.

  • Er möchte, Er will gemeinsam mit jedem von uns – mit jedem! – daran arbeiten, dass die Welt schöner wird als das Paradies und dass alle Menschen eine innige Gemeinschaft mit Ihm haben.

  • Das ist Ihm wichtig, weil das gemeinsame Arbeiten an einem Ziel eine ganz besondere Form der Beziehung schafft.

  • Gott weiß, wo und mit welchen Menschen wir unsere Begabungen am besten einsetzen können. Er ruft jeden einzelnen von uns an diese Stelle, für die Er uns begabt hat.

  • Und wenn wir Ihm folgen, wenn wir dieser Berufung folgen, dann wird das unser Leben und die Welt verändern!

  • Gott hat dabei den Überblick – Er weiß genau, wer grade wo steht und wie es jedem einzelnen geht. Er kennt das Ziel, Er kennt die Schwierigkeiten und Er versorgt uns mit allem, was wir brauchen.

Und wir dürfen immer auf die Zusage Gottes aus Jeremia 29,11 vertrauen:
Denn ich weiß genau, welche Pläne ich für euch gefasst habe, spricht der Herr. Mein Plan ist, euch Heil zu geben und kein Leid. Ich gebe euch Zukunft und Hoffnung. (Neues Leben)

Und auf Röm 8,28:
Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen,
denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. (LUT2017)

Diese Berufenen - das sind wir alle. Amen.