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Predigt "Gnade" - 05.03.2017

Anspiel:
Jemand steht außer Reichweite und hat eine Flasche Wasser – ein anderer hat Durst und bittet um das Wasser.
Der mit dem Wasser verweigert es.
Der Durstige macht immer weitere Angebote, was er dem anderen für das Wasser geben wird – aber der mit dem Wasser sagt jedes Mal „es reicht nicht, es ist nicht genug“
Am Schluss sagt er: „Nichts, was du mir geben könntest, ist genug.“

(...das Anspiel wurde inspiriert von dem Lied "Aus Gnade" von Klaus-André Eickhoff...)

 

Predigt zum Anhören (mp3)

Präsentation

Liebe Gemeinde, liebe Gäste und Freunde

Das heutige Predigt-Thema lautet: Gnade. [FOLIE 1]
Ein Begriff, mit dem wir vertraut sind und der vor allem in diesem Jahr – wo wir das Jubiläum der Reformation feiern – sehr präsent ist.
Aber auch, wenn ihr schon viel zu diesen Thema gehört habt, lade ich euch ein, euch heute ganz neu darauf einzulassen.
Denn egal, ob jemand erst vor kurzem zum Glauben gefunden hat oder schon lange Jahre mit Jesus unterwegs ist: die Erkenntnis, was Gottes Gnade für uns bedeutet, ist wesentlich und darf uns immer wieder ergreifen.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird das Wort „Gnade“ abseits von Religion nur selten verwendet. Am ehesten noch im Bereich der Rechtssprechung.
So in der Art von „Gnade vor Recht ergehen lassen“ und „Ich bitte das Gericht, gnädig zu sein und die Umstände zu berücksichtigen.“

Auch im christlichen Umfeld wird das Wort „Gnade“ oft dann verwendet, wenn es um das Gericht geht – Gott als gnädiger Richter, der uns nicht nur nach unseren Sünden beurteilt.
Aber wenn wir uns nur auf diese Bedeutung beschränken, dann wird das der „Gnade Gottes“ bei weitem nicht gerecht.
Es steckt noch so viel mehr in diesem Wort.

Werfen wir zuerst einen kurzen Blick ins Wörterbuch: [FOLIE 2]
Dort ist unter dem Begriff „Gnade“ zu lesen:
unverdiente Gunst, Zuneigung, Hilfe, Liebeserweis, Barmherzigkeit, Güte, Nachsicht, Schonung,
Wohltat ohne Erwartung einer Gegenleistung

Diese letzte Beschreibung ist das, was für uns oft so schwer zu begreifen ist:
ohne Erwartung einer Gegenleistung.
Das widerspricht unserer Erfahrung.

Und auch bei der Gnade Gottes sagen vielleicht manche, dass Gott ja sehr wohl etwas von uns verlangt: nämlich Glaube und Gehorsam. [FOLIE 3]

Jesus betont das immer wieder: durch Glaube und Gehorsam erfahren wir die Gnade Gottes.

Aber Glaube und Gehorsam sind keine Gegenleistung im Sinne von „nur wenn du brav bist, dann bekommst du das“.
Glaube und Gehorsam haben zwei ganz andere Aspekte:
Denn die Gnade Gottes war zuerst. Er hat uns Seine Gnade geschenkt, bevor wir überhaupt in der Lage waren, irgendetwas zu tun.
Und Glaube und Gehorsam sind damit eine Folge unserer Beziehung zu Gott. [FOLIE 4]
Je mehr wir Gott kennenlernen, umso mehr wollen wir Ihm nahe sein und auf Seine Liebe antworten.
Gott nahe sein, können wir nur, wenn wir Ihm Glauben schenken und gehorsam Seinem Weg folgen, der uns zu Ihm führt.

Glaube und Gehorsam sind aber auch die Voraussetzung dafür, dass wir die Auswirkungen von Gottes Gnade erleben können. [FOLIE 5]
Als Beispiel:
Jemand hat sich im Wald verirrt. Er hat ein Handy dabei und weiß, dass einer seiner Freunde die Gegend gut kennt.
Damit der Verirrte den Weg nach Hause finden kann, muss er sich dem Freund anvertrauen und er muss die Anweisungen des Freundes befolgen.
Auch Gottes Gnade kann sich nur auf unser Leben auswirken, wenn wir Ihm vertrauen und Seinen Worten folgen.

Wir müssen uns die Gnade Gottes also nicht durch Glaube und Gehorsam erarbeiten.
Sondern sie sind eine Auswirkung davon, dass Er uns gnädig ist und der Schlüssel zu allem, was Er uns in Seiner Gnade schenken möchte.

Was bewirkt dieses Geschenk der Gnade in unserem Leben?
Beginnen wir mit dem Aspekt, den ich vorhin schon genannt habe:
Aus Gnade sind wir gerettet. [FOLIE 6]

Wenn wir an das Anspiel denken, das wir vorhin gesehen haben – das Wasser, um das der Durstige gebeten hat, können wir als Symbol für die Freiheit sehen.
Für den Freispruch vor dem Gericht, für die Rettung vor der Strafe.
Und wenn ich mir so ansehe, wie es im Anspiel gelaufen ist, dann bin ich sehr erleichtert, dass Gott sich nicht so verhält, wie derjenige mit dem Wasser.

Wir müssen nicht jede unserer Sünden mit einer guten Tat ausgleichen.
Wir müssen nicht für alles, was wir getan haben, eine Handlung ausführen, um Gott wieder zu versöhnen.
Wir müssen nicht alle Vorschriften und Gesetze buchstabengenau befolgen, damit wir gerettet werden.
Jesus hat am Kreuz alle unsere Sünden – die vergangen und die zukünftigen – vollkommen vernichtet und uns dadurch gerettet.

Paulus schreibt immer wieder ganz eindringlich über diese Rettung aus Gnade.
So zum Beispiel im Epheserbrief: [FOLIE 7]
Denn aus Gnade seid ihr gerettet – durch den Glauben.
Das verdankt ihr nicht eurer eigenen Kraft, sondern es ist Gottes Geschenk.
Er gibt es unabhängig von irgendwelchen Taten. (Eph 2,8-9a)

Die Auswirkung dieser Rettung ist unter anderem im Römerbrief und im Hebräerbrief beschrieben: [FOLIE 8]
Die Sünde wird keine Macht mehr über euch haben.
Denn ihr steht nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade Gottes. (Röm 6,14)
Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben. (Hebräer 4,16)

Ohne die Gnade Gottes hat die Sünde ganz viel Macht über unser Leben, weil sie uns Angst machen kann.
Wir haben Angst davor, etwas falsch zu machen, Angst vor dem Gericht, Angst davor, dass wir nicht genug Gutes getan haben, Angst vor Gott, weil wir als Sünder nicht würdig sind, zu Ihm zu kommen…
Das will uns die Sünde einreden.
Aber durch Jesu Gnadentat am Kreuz müssen wir keine Angst mehr haben.
Wenn wir sündigen, wenn wir etwas Falsches tun, dann dürfen wir trotzdem vor Gott treten.
Das gilt für jemanden, der seine Freunde belügt genauso wie für einen Dieb. Für einen, der einem Notleidenden nicht geholfen hat ebenso wie für einen Mörder.
Egal, was wir getan oder nicht getan haben - wir dürfen sogar „voll Zuversicht“ zu Gott kommen und Ihn um Vergebung bitten.
Wenn wir es ehrlich meinen, dann wird Er uns vergeben.
Aus Gnade.

Ein weiterer Aspekt der Gnade Gottes:
Aus Gnade sind wir beschenkt. [FOLIE 9]

Wir sind mit Gottes Gnade beschenkt und müssen nichts dafür tun, um sie uns zu verdienen.
Und Gott schenkt uns aus Seiner Gnade heraus ein Leben in Fülle.
Wir müssen dafür nichts Besonderes leisten oder besonders erfolgreich sein.
Wenn wir Durst haben, dann erhalten wir von Gott das Wasser des Lebens – ohne Gegenleistung.

Also nicht nur, wenn wir zu Ihm kommen und um Vergebung bitten, sind wir auf die Gnade Gottes angewiesen.
Sondern in jeder einzelnen Minute, in allen Situationen stehen wir unter Seiner Gnade.

Im Korintherbrief schreibt Paulus dazu: [FOLIE 10]
Aber der Herr hat zu mir gesagt: »Du brauchst nicht mehr als meine Gnade.
Denn meine Kraft kommt gerade in der Schwäche voll zur Geltung.« (2 Korinther 12,9 )

Viele kennen das wahrscheinlich aus ihrem Alltag:
Man ist müde, vielleicht nicht ganz gesund – und trotzdem muss man arbeiten, die Familie versorgen, Rechnungen bezahlen und will vielleicht auch irgendwann Urlaub machen.
Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, wo man sich alles verdienen muss.

Gott durchbricht diesen Lebensstil ganz radikal.
Genau dann, wenn wir nichts mehr tun können, wenn wir an unsere Grenzen stoßen, dann macht Er uns die größten Geschenke.
Freunde, die für uns beten.
Ruhe und neue Kraft.
Weisheit und Gelassenheit, wenn die Sünde uns wieder Angst machen möchte.

Gott hat auch jeden einzelnen von uns mit Begabungen beschenkt.
Und diese Gaben können wir uns nicht erarbeiten.
Ich könnte noch so viel üben – wenn ich mich ans Klavier setze, würde ich nie wie jemand spielen können, der diese Begabung wirklich hat.
Es ist ein Geschenk.

Und Gott schenkt große Ereignisse die unser Leben positiv erschüttern: Wunder, Heilungen, Bekehrung.
Aber auch ein Lächeln, einen Sonnenstrahl, Dinge, die sich zum richtigen Zeitpunkt perfekt ineinander fügen. Kleinigkeiten, die jeden Tag einzigartig machen.

Und ich lade euch ein: achtet diese Woche ganz besonders auf die Gnadengeschenke Gottes in eurem Alltag.

Ein dritter Aspekt der Gnade Gottes:
Aus Gnade sind wir geliebt. [FOLIE 11]

Stellen wir uns eine Gottesbeziehung vor, in der es so wäre, wie im Anspiel.
Das Wasser steht für die Liebe und wir müssten uns diese Liebe erarbeiten.
Womit könnten wir uns Gottes Liebe überhaupt verdienen?
Es würde definitiv so enden, wie wir es im Anspiel gesehen haben.

Aber der Gott, den uns Jesus Christus als Seinen und unseren Vater gezeigt hat, der verlangt nicht, dass wir uns Seine Liebe erarbeiten.
Dieser Gott, der uns geschaffen hat, liebt jeden einzelnen Menschen von Beginn an und in Seinen Augen sind wir alle „sehr gut“.

Diese Zusage gilt jedem von euch:
Schon als Gott die Idee hatte, dich zu erschaffen, hat Er dich geliebt.
Und ganz egal, was du anstellst, egal wie viel oder wenig du leistest – Gott liebt dich.

Bei der Definition von Gnade war auch das Wort „Zuneigung“ dabei.
Gottes Gnade bedeutet, dass Er uns zugeneigt ist. Er sieht uns liebevoll an und wendet sich uns zu.

Und so kommt am Kreuz alles zusammen: [FOLIE 12]
Weil Gott uns liebt, hat Er uns aus der Macht der Sünde gerettet und beschenkt uns mit neuem Leben, mit einem Leben in Fülle.
Aus Gnade hat Jesus die Schmerzen am Kreuz ertragen und ist für uns gestorben. Er hat uns mit Seinem Leiden und mit Seinem Leben freigekauft.
Das größte Gnadengeschenk ist aber, dass Er nicht im Tod geblieben ist.
Er hat den Tod überwunden, damit wir mit Ihm ein neues Leben beginnen können.
Wir müssen dafür keine Gegenleistung erbringen, sondern dürfen frei und geliebt auf Seine Liebe antworten.

Auch wenn wir noch stundenlang über die Gnade Gottes sprechen – wir könnten sie trotzdem niemals in ihrem vollen Umfang erfassen.
Aber wir dürfen sie jeden Tag neu erleben!

Schließen möchte ich mit einer Zusage aus dem Buch Jesaja: [FOLIE 13]
Berge mögen einstürzen und Hügel wanken, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und mein Friedensbund mit dir wird niemals wanken, verspreche ich, der Herr, der dich liebt. (Jesaja 54,10).

AMEN