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Kurzpredigt Karfreitag 2018

zum Anhören (mp3)

Es ist der letzte Tag, den Jesus mit Seinen Jüngern verbringt.
Sie essen gemeinsam das letzte Mal zu Abend und Jesus versucht, den Menschen, die Er so lieb hat, noch einiges mit auf den Weg zu geben.
Er versucht, sie auf das vorzubereiten, was kommt.
Deshalb spricht Er auch mit Simon Petrus nach dem Essen ein ernstes Wort.

Jesus sprach:
Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen.
Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dann umkehrst, so stärke deine Brüder.
Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.
Jesus aber sprach: Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst.  (Lk 22,31-34 LUT2017)

Ich kann mir vorstellen, dass Jesus in diesem Moment sehr bekümmert ist.
Und Seine Traurigkeit wird wahrscheinlich immer größer, als sich zeigt, dass die Jünger dem schweren Weg scheinbar nicht gewachsen sind.
Am Ölberg schlafen sie ein statt zu beten.
Dann ist es einer aus ihrer Mitte – Judas – der Jesus tatsächlich verrät.
Und die anderen reagieren auf diesen Verrat mit Gewalt: einer von ihnen schlägt einem Hauptmann das Ohr ab. Sie wenden Gewalt an, obwohl Jesus sie einen anderen Weg gelehrt hat.

Anschließend wird Jesus verhaftet und zum Haus des Hohepriesters gebracht.
Petrus folgt ihnen und setzt sich im Hof zum Feuer.
Ihr wisst, was dann geschieht und wir haben es auch am Sonntag vor zwei Wochen gehört: Petrus verleugnet Jesus tatsächlich dreimal. Dann kräht der Hahn und in diesem Moment wendet sich Jesus um und sieht Petrus an.

Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.
Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.

Petrus erkennt, dass Jesus recht hatte und er weint.
Er schämt sich, ist von sich selbst enttäuscht und denkt wahrscheinlich, dass auch Jesus von ihm enttäuscht ist.

Aber ist das so?
Ist Jesus von Petrus enttäuscht?

Das würde bedeuten, dass Jesus sich vorher in Petrus ge-täuscht hätte, dass Er etwas anderes von ihm erwartet hätte.
Aber das hat Er nicht.

Vielleicht hat Er genau deshalb vorher mit Petrus geredet und ihm gesagt: Petrus, ich kenne dich besser als Du dich selbst kennst! Ich weiß ganz genau, wie du reagieren wirst. Und ich bin nicht enttäuscht, sondern ich bitte dich: kehr wieder um, bleib an mir dran und stärke deine Brüder! Ich traue dir das zu, ich bete für dich!

Jesus weiß, dass Er einen sehr schweren Weg gehen muss – und Er nimmt sich trotzdem Zeit, Petrus zu ermutigen und ihm einen Auftrag zu geben.

Das muss Ihn große Kraft gekostet haben.
Denn denken wir daran: Jesus war ganz Mensch!
Er war jahrelang mit den Menschen unterwegs, Er liebt jeden einzelnen, Er ist gekommen um alle Menschen zu Gott zu führen – und dann wird Er von ihnen verlassen, verraten, verurteilt und getötet.

Aber Jesus war und ist ganz Gott und wird es immer sein.
Er kannte die Menschen damals. Er kennt uns heute. Und Er kennt auch alle Menschen, die noch nicht zu Ihm gehören.
Jesus ist den Weg ans Kreuz in vollem Bewusstsein über unsere Stärken und Schwächen gegangen.

Und grade wenn Du das Gefühl hast, Du hättest Gott mit irgendetwas enttäuscht oder wenn Du gesündigt hast, dann hör heute ganz bewusst zu und komm zum Kreuz.

Wende dich nicht ab, sondern schau Jesus an – so wie Er dich anschaut.
Sei dir sicher, dass der gekreuzigte und auferstandene Jesus dein Herz kennt und dass Er dich nicht verurteilt oder enttäuscht von dir ist, sondern dass Er dich liebt und dir vergeben möchte.
Nimm Seine Vergebung und Seine Liebe an!

Wenn wir das erlebt haben und immer wieder neu erleben, dass uns wirklich vergeben ist, dass wir geliebt und angenommen sind, dann können wir einander stärken.
Denn das ist der Auftrag Jesu an Petrus und an uns: Stärke deine Brüder. Und dieser Auftrag muss sehr wichtig sein - Jesus hat sich kurz vor Seinem Leidensweg, vor Seinem Tod noch Zeit genommen, diesen Auftrag weiterzugeben.
Und Er endet nicht mit: „kehr um zu mir“, mit "bleib stehen und schau mich an" sondern Er möchte, dass diese Umkehr auch Auswirkungen in unserem Leben und in dem Leben unserer Umgebung hat.

Dass wir durch Jesus eine innige Beziehung zu Gott haben dürfen, das ist ein ganz persönliches Geschenk an jeden von uns – aber da ist dieses Geschenk noch nicht zu Ende. Es ist viel größer als wir selbst.
Wir sollen hinausgehen in die Welt und andere Menschen auf ihrem Weg zu Gott stärken.
Das müssen wir nicht aus eigener Kraft tun - sondern wenn du erlebst, wie Jesus dein Leben verändert, wenn du dich ganz darauf einlässt, was Er dir schenken möchte, dann wirst du sehen: Er gibt dir alles was du brauchst, damit du Seinen Auftrag auch ausführen kannst.

Jesus ist ans Kreuz gegangen, damit die ganze Welt gerettet wird. Und Er hat uns ausgesucht, damit wir diese Rettung selbst erleben und damit sich unser Leben dadurch so ändert, dass andere Menschen gestärkt werden und ebenfalls zu Gott finden.

Damit wir wissen, was damals geschehen ist und was Jesus für uns getan hat, darum sind wir heute hier und erinnern uns an die den Leidensweg Jesu, an Seine Kreuzigung und Seinen Tod.
Die Jünger haben damals gedacht, dass alles zu Ende ist.
Wir wissen, dass Jesus auferstanden ist, dass Er den Tod überwunden hat.
Wir wissen, dass wir nicht am Kreuz stehen bleiben müssen, sondern dass wir auf Ostern zugehen.
Wegen dieser Gewissheit können wir den Karfreitag „feiern“, wir können die Botschaft voller Freude weitergeben und wir können Gott dafür danken.
Denn es ist die Gewissheit, dass Gott tatsächlich unser Vater ist, der uns unendlich liebt.
Und deshalb lade ich euch ein, dass wir uns jetzt - bevor wir uns an die Leidensgeschichte Jesu erinnern – zu Gott hinwenden, dass wir gemeinsam das Vater unser beten.

Ich bitte euch, dazu aufzustehen.
Bitte betet jeder in der Sprache seines Herzens.