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Predigt "Nachfolge" - 27.08.2017

Lesung 1: Markus 1,16-20 (Übersetzung Basisbibel)
Jesus kam zum See Gennesaret und ging am Ufer entlang. Dort sah er Simon und seinen Bruder Andreas. Sie warfen ihre Netze aus, denn sie waren Fischer.
Jesus sagte zu ihnen: »Kommt, folgt mir! Ich mache euch zu Menschenfischern.«
Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.
Ein kleines Stück weiter sah er Jakobus, den Sohn von Zebedäus, und seinen Bruder Johannes in ihrem Boot. Sie flickten gerade ihre Netze.
Sofort rief er sie.
Sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Gehilfen im Boot zurück und folgten ihm.

Lesung 2: Lukas 18,18-23 (Übersetzung Basisbibel)
Einer der führenden Männer des jüdischen Rats fragte Jesus:
»Guter Lehrer, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben bekomme?«
Jesus antwortete ihm: »Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer einem: Gott.
Du kennst doch die Gebote:
Du sollst die Ehe nicht brechen. Du sollst nicht töten. Du sollst nicht stehlen.
Du sollst keine falschen Aussagen machen. Ehre deinen Vater und deine Mutter.‹«
Aber der Mann sagte: »Das alles habe ich seit meiner Jugend befolgt.«
Als Jesus das hörte, sagte er zu ihm: »Eins fehlt dir noch: Verkaufe alles, was du hast, und verteile das Geld an die Armen. So wirst du unverlierbaren Reichtum im Himmel haben.
Dann komm und folge mir!«
Der Mann wurde sehr traurig, als er das hörte. Denn er war sehr reich.

 

„Komm und folge mir nach!“
In dem ersten Text, den wir gehört haben, sagt Jesus diese Worte zu den Menschen, die Er zu Seinen Jüngern machen möchte.
Und die Jünger – so lesen wir – lassen sofort alles liegen und gehen mit Jesus.

Ganz anders bei dem zweiten Text.
Der reiche Mann möchte von Jesus eine Antwort haben.
„Was soll ich tun, damit ich das ewige Leben bekomme?“ fragt er.
Und Jesus sagt: gib alles auf und folge mir nach.
Das ist nicht die Antwort, die der reiche Mann erwartet hat. Und er ist traurig.
Ob Er diese Traurigkeit irgendwann überwindet und Jesus doch noch nachfolgt, wissen wir nicht.

Aber wenn wir weiterlesen, dann erfahren wir noch mehr über Nachfolge und was damit zusammenhängt.

Da steht:
Als Jesus den Mann so traurig sah, sagte er:
»Wie schwer ist es doch für die Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes hineinzukommen. Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt.«
Da fragten die Leute, die das hörten:
»Wer kann dann überhaupt gerettet werden?«
Jesus antwortete: »Was für Menschen unmöglich ist, das ist möglich für Gott.«
Da sagte Petrus zu Jesus:
»Sieh doch: Wir haben unseren Besitz zurückgelassen und sind dir gefolgt.«
Jesus antwortete seinen Jüngern:
»Amen, das sage ich euch:
Jeder, der für das Reich Gottes etwas zurückgelassen hat – Haus, Ehefrau, Geschwister, Eltern oder Kinder –, wird dafür ein Vielfaches neu bekommen – schon jetzt in dieser Zeit – und das ewige Leben dann, wenn Gottes Reich kommt.

Jesus sieht die Traurigkeit des reichen Mannes.
Und wenn Jesus jemanden sieht, dann bedeutet das: Er sieht das Herz dieses Menschen.
Er weiß, was den reichen Mann daran hindert, in die Nachfolge zu treten und spricht das Problem direkt an: „Wie schwer ist es doch für die Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes hineinzukommen.“
Und da gibt es Menschen, die vermuten schon, dass es hier nicht nur um materiellen Besitz geht.
Deshalb fragen sie: »Wer kann dann überhaupt gerettet werden?«
Sie meinen nämlich: jeder hat doch irgendetwas, was er nicht zurücklassen möchte und was ihn daran hindert, Gott ganz nahe zu sein.
Jesus ruft diese Menschen dazu auf, Gott zu vertrauen – bei Ihm ist alles möglich!
Und mit den Jüngern als „gutem Beispiel“ bestätigt Er den Menschen, dass Er tatsächlich nicht nur von materiellem Besitz spricht, sondern auch von Familie, von Beziehungen, von allem was ihnen - und uns - Sicherheit gibt und woran unser Herz in dieser Welt hängt.
Und dann gibt Er die Verheißung, dass jeder, der all das aufgibt, reich belohnt wird.

Wie sieht es aus, wenn Jesus uns in die Nachfolge ruft?
Sollen wir alle unsere Familie, unseren Besitz und unsere Arbeit aufgeben?

Schauen wir noch zwei andere Verse an.
In Markus 8,34 sagt Jesus:
Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

Und in Johannes 12,26:
Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

Diese beiden Verse sind eingebettet in Stellen, wo Jesus seinen eigenen Tod ankündigt. Und Er sagt in diesem Zusammenhang in beiden Evangelien ganz klar:
Wer sein Leben behalten will, der wird es verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird es behalten. (Mk 8,34)

Nachfolge geht also noch einen ganzen Schritt weiter.
Nicht nur Besitz, Beziehungen und Sicherheit sollen wir aufgeben, sondern Jesus fordert Selbstverleugnung und darüber hinaus noch: Nimm dein Kreuz auf dich!
Er fordert von uns, dass wir dienen und dass wir unser eigenes Leben aufgeben sollen, wenn wir Ihm folgen wollen.

Eine große und schwere Forderung.

In Ländern, wo Christen verfolgt werden, bedeutet das Bekenntnis zu Jesus auch heute noch, dass Menschen alles verlieren - manchmal sogar ihr Leben. Für uns unvorstellbar. Wir dürfen für diese Menschen beten, sie unterstützen und von ihnen lernen.

Aber wie können wir Nachfolge hier in unserer Gesellschaft leben?
Wie können wir für Jesus alles aufgeben und Ihm ganz nachfolgen?

Jesus sagt: „Wer mir nachfolgen will“ – wir haben also die Wahl, wir dürfen uns entscheiden.
Am Anfang der Nachfolge steht immer diese eindeutige und bewusste Entscheidung, Jesu Ruf hören zu wollen und Ihm folgen zu wollen.
An dieser Stelle fordert Jesus Klarheit.

Und wenn wir die Entscheidung getroffen haben, dann gehen wir nicht einfach nur „hinter Jesus her“ und folgen Seinen Spuren, die Er irgendwann einmal hinterlassen hat – Jesus geht mit uns.
Er will uns anleiten und Er will uns zeigen, wie wir gemeinsam mit Ihm und miteinander unsere Gaben einsetzen können; und wie wir so am Reich Gottes bauen können.
Gemeinsam arbeiten, gemeinsam etwas bauen – da entsteht eine echte und tiefe Gemeinschaft! Und diese Gemeinschaft will Jesus mit uns haben.
Damit das möglich ist, fordert Jesus von uns Gehorsam.
Er ist es, der uns Nachfolge lehren möchte.
Jeden Tag ruft Jesus uns auf, sich in Seinen Dienst zu stellen.

Diesen Dienst beschreibt Paulus in seinen Briefen mehrmals mit dem Bild vom Körper, wo jeder Teil seine eigene Aufgabe hat. Jeder Mensch hat andere Gaben und die darf und soll er in dem passenden Dienst einsetzen.
So auch in der Nachfolge.

Jesus ruft manche Menschen tatsächlich dazu auf, ins Kloster zu gehen oder als Missionar in einem fremden Land zu leben – für immer oder nur für einen bestimmten Zeitraum.
Oder dazu, ihren aktuellen Job zu kündigen und eine andere Arbeit anzunehmen, weil Er sie dort braucht und einen Plan mit ihnen hat.

Manchmal heißt Nachfolge aber, genau an der Stelle zu bleiben, wo man ist.
Auch davon lesen wir in der Bibel, zum Beispiel, wenn im Buch der Offenbarung die sieben Gemeinden immer wieder aufgerufen werden, in ihrer jeweiligen Situation an Jesus festzuhalten.
Dabei gibt man nicht so offensichtlich etwas auf – man behält seine Wohnung, seine Arbeit. Aber meist sind es keine angenehmen Situationen, in denen Jesus uns auffordert, standhaft zu bleiben.

Manche von euch kennen das:
Da ist eine schwierige Arbeitssituation oder ein Konflikt in der Familie, und es ist notwendig, die eigene Meinung zurückzustellen oder den eigenen Stolz aufzugeben – und dadurch für Frieden und Versöhnung einzutreten.
Oder eine Ungerechtigkeit, wo man die eigene Angst überwinden muss, den Wunsch nach Harmonie aufgeben muss – um für Schwächere die Stimme zu erheben.
Vielleicht gibt es auch bei dem einen oder anderen einen Menschen in der Umgebung, der längerfristig Hilfe braucht – und man ist gefordert, die eigene Bequemlichkeit aufzugeben, auf manches zu verzichten um zu helfen.

Alles aufzugeben bedeutet, dass wir uns vollkommen in Gottes Hand geben und bereit sind, das aufzugeben, was Er von uns verlangt.
Dabei dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott die richtigen Dinge wegnimmt - nämlich genau die, die uns von Ihm trennen!
Denn Nachfolge ist ein Weg, der uns in die unmittelbare und ewige Gemeinschaft mit Gott führt.
Und alles, was dabei stört, will Gott wegnehmen.

Und wir dürfen auf die Worte Jesu vertrauen: bei Gott ist nichts unmöglich.
Er wird uns mit allem versorgen, was wir in der Nachfolge brauchen. Er hat einen guten Weg für jeden einzelnen, Er wird uns ausrüsten und stärken.

Grade im Alltag gibt es viele Möglichkeiten, Nachfolge zu leben.
Dietrich Bonhoeffer schreibt in seinem Buch „Nachfolge“ darüber, dass Martin Luther aus dem Kloster weggegangen ist und wieder ein „normales“ Leben gelebt hat und er beschreibt die Konsequenzen mit folgenden Worten:
Nachfolge Jesu musste nun mitten in der Welt gelebt werden.
Was unter den besonderen Umständen und Erleichterungen des klösterlichen Lebens als Sonderleistung geübt wurde, war nun das Notwendige und Gebotene für jeden Christen in der Welt geworden. Der vollkommene Gehorsam gegen das Gebot Jesu musste im täglichen Berufsleben geleistet werden. (S 35)

Auf uns übertragen könnte man sagen: wir dürfen hier in der Gemeinde, in der Gemeinschaft miteinander die Nachfolge „einüben“.
Und dann dürfen wir das, was wir hier gelernt haben, in unserem Alltag hinaustragen.
Beim Bibelstudientag letzten Herbst hat Kurt Schneck das ungefähr so ausgedrückt: wir sollen uns nicht von allem abwenden, um zu Christus zu fliehen, sondern wir sollen Christus in alles hineinholen.

Wenn wir uns in allem, was wir tun und in allem, was uns begegnet, dem Willen Gottes gehorsam unterstellen – so wie Jesus das getan hat – dann folgen wir Ihm nach. Dann wird Nachfolge zur Lebenshaltung.

Und so lädt Gott jeden einzelnen ein:
Wenn du Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit Ihm hast, dann frag Jesus, was dein Weg der Nachfolge ist.
Genauso wie in Seinem Gespräch mit dem reichen Jüngling wird Jesus dein Herz sehen – Er weiß, woran du hängst. Und Er wird dich herausfordern, aber Er wird dich auch ausrüsten und stärken.

Wie ist das aber mit dem Kreuz in der Nachfolge?
Was meint Jesus, wenn Er sagt: „Wer mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich“?

Dietrich Bonhoeffer schreibt dazu: „Kreuz ist nicht zufälliges, sondern notwendiges Leiden.
Kreuz ist nicht an die natürliche Existenz gebundenes Leiden, sondern an das Christsein gebundenes Leiden.“
Und er schreibt auch, dass es für jeden Menschen ein „eigenes Kreuz“ gibt – so wie Jesus sagt: der nehme sein Kreuz auf sich.
Gott weiß genau, was jeder von uns aushalten und tragen kann und Er wird uns nicht überfordern. Darauf dürfen wir vertrauen.

Aber Nachfolge ist mit Leiden verbunden, das kann und darf nicht verschwiegen werden.
Das Kreuz, das wir in der Nachfolge tragen, ist das, was auf dem Weg mit Jesus unmittelbar an Schwerem, an Belastendem da ist.

Es ist kein Leiden, das daraus folgt, dass wir für unsere eigenen ethischen Grundsätze einstehen. Sondern dieses Leiden ist direkt damit verbunden, dass wir versuchen, genauso zu leben, wie Jesus gelebt hat, wie Er gelitten hat.

Jesus hat mit den Menschen gelitten, denen Unrecht geschehen ist – mit den Schwachen, den Unterdrückten, den Kranken.

Aber Jesus hat vor allem gelitten, weil Menschen Schuld auf sich geladen haben.
Er hat gelitten, weil Menschen sich von Gott entfernt haben und Er hat für sie gekämpft – wenn wir in die Evangelien schauen, dann hat Er wirklich immer wieder um diese Menschen gerungen.
Er ist dafür gestorben, damit die Sünder, damit wir alle, wieder zu Gott zurückfinden.

Durch das Kreuz Jesu Christi wird sichtbar, dass Gott um jeden einzelnen Menschen kämpft, weil Er jeden einzelnen liebt.

Und da kommen wir zum Wesen der Nachfolge – dazu ruft Jesus uns auf: wir sind gerufen, jeden Menschen mit der Liebe Gottes in Verbindung zu bringen.
Jeden einzelnen.
Ob er leidet oder schuldig ist; ob er sich verirrt hat oder ausgestoßen wurde.
Jeder soll Gottes Liebe kennenlernen – das ist unser Ziel, das Jesus uns gegeben hat.
Darin sollen wir Ihm nachfolgen – darin haben wir unser Kreuz zu tragen.

Jesus trug Sein Kreuz alleine.
Aber alles, was wir tragen, trägt Er mit uns gemeinsam!
Und noch mehr: Er trägt uns selbst und damit alles, was auf unseren Schultern liegt.
Diese Verantwortung, die Menschen zu Gott zu führen, die können wir ja nur tragen, weil Jesus uns trägt.
Und das Leid, das in der Welt geschieht, das können wir nur aushalten, weil Jesus uns hält.

So wird unser Kreuz in der Nachfolge zum zweifachen Segen:
Im Getragen-werden dürfen wir unmittelbar erleben, dass wir uns wirklich 100% auf Gott verlassen können.
Und im Tragen unseres Kreuzes – im gehorsamen Erfüllen der Nachfolge – wird Gott für die Menschen erfahrbar.

Zum Schluss eine Zusammenfassung:
Nachfolge bedeutet: den Ruf Jesu hören – Gott hat jeden von uns einzigartig geschaffen. Vielleicht denkst Du: „Nachfolge ist nichts für mich, das kann ich nicht.“ Aber Gott traut Dir was zu – Er ruft auch Dich!
Nachfolge bedeutet: auf den Ruf Jesu antworten – wir haben die Freiheit, uns zu entscheiden, aber Jesus erwartet eine klare und bewusste Entscheidung.
Nachfolge bedeutet: dem Ruf Jesu gehorsam folgen – die Entscheidung für Jesus darf und soll in unserem Leben sichtbar werden; Gott will Dich verändern – Er will Trennendes wegnehmen und Dich reich beschenken.

Das Ziel der Nachfolge ist es, jeden Menschen zur Liebe Gottes zu führen.
Darin erleben wir schon jetzt die innige Gemeinschaft mit Ihm.
Und in allem - im Leiden und im Segen – wird Gott für uns und durch uns in der Welt erfahrbar!

Nachfolge ist ein Weg für jeden Menschen in jeder Situation und an jedem Tag.
In Kolosser 3,17 ist das sehr schön zusammengefasst und damit möchte ich schließen:
Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen unseres Herrn Jesus Christus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Amen