Startseite > gesprochen und geschrieben > Wüste - Predigt 06 05 2018

Predigt "Wüste" - 06.05.2018

2 Mose 17,1-7

Predigt zum Anhören (mp3)

Präsentation

In dem Text der Lesung sind Mose und das Volk in der Wüste. 40 Jahre dauert ihre Wanderung, bis sie die Wüste endlich verlassen und ins gelobte Land gehen können.

Welche Vorstellung habt ihr wenn ihr an eine Wüste denkt?

[Folie 1]
Wir haben da auch ein schönes Bild – und auch wenn das fast nach Abenteuerurlaub aussieht: Die Wüste ist eigentlich ein lebensfeindlicher Raum.

Das hebräische Wort für Wüste ist „midbar“ - das sind Gegenden, wo es nicht möglich ist, etwas anzubauen oder dauerhaft an einem Ort zu leben, weil es viel zu wenig Wasser gibt.
Manchmal gibt es dort durchaus einen dünnen Erdboden und ein paar Pflanzen, so dass man Tiere weiden lassen kann – aber um dort zu leben fehlen eben grundlegende Dinge. [Folie 2]
Früher galt die Wüste auch als Sitz von Dämonen und viele Tiere, die dort leben – wie z.B. Heuschrecken oder Skorpione – wurden dem dämonischen Bereich zugeordnet. In der Wüste lauern also auch verschiedene Gefahren.
Im griechischen heißt die Wüste „eremos“ - wir kennen z.B. den Begriff „Eremit“ für einen Einsiedler, jemanden, der alleine an einem einsamen Ort wohnt.
Dieser Begriff zeigt ein weiteres Merkmal einer Wüste: es ist dort einsam.

In der Bibel steht bei Untergangsdrohungen oft, dass eine Stadt zur Wüste werden soll – z.B. Jer 50,39 – oder umgekehrt, bei Verheißungen, dass Gott eine Wüste wieder lebendig machen wird.
Auch da wird deutlich: Wüste wird als „nicht lebendig“ als das Gegenteil von Leben wahrgenommen.

Aber die Wüste ist nicht nur ein physischer Ort, sondern sie kann auch eine Zeit in unserem Leben sein [Folie 3].
Wenn wir schwere und anstrengende Zeiten erleben, sprechen wir z.B. von einer Durststrecke.
Wir fühlen uns dann, als ob wir ohne Wasser durch eine Wüste gehen. Wir sind einsam, alles ist anstrengend und alles ist gegen uns - und wenn man sich dann umschaut, gibt es keine Aussicht auf Veränderung; alles sieht gleich aus.
Das kann eine Zeit sein, wo jemand arbeitslos ist oder krank. Das können Zeiten voller Sorgen sein oder auch extrem stressige Zeiten, wo wir nur noch erschöpft sind.
Auf jeden Fall sind es Zeiten, wo etwas Wesentliches zum Leben fehlt – etwas, das uns ermutigt, motiviert; etwas, das Freude bereitet und uns Kraft schenkt.
In diesen Wüstenzeiten geht es nur noch ums Überleben. Kein Leben mehr – nur noch irgendwie durchkommen, die Zeit irgendwie überstehen.

Das hat mehrere Auswirkungen [Folie 4]:

  • alles, was nicht dringend zum Überleben notwendig ist, wird unwichtig

  • wir sind auf uns selbst zurückgeworfen, ganz stark mit uns selbst konfrontiert, mit dem, wie wir denken, fühlen, handeln

  • und wir stehen vor der Wahl, wie wir uns verhalten: vertrauen wir auf uns selbst, auf menschliche Kraft und Möglichkeiten – oder lassen wir uns ganz in Gottes Hände fallen?

Wenn ich mir das so anschaue, was in der Wüste passiert - es geht ums Überleben, unwichtige Dinge fallen weg, wir sind auf uns selbst zurückgeworfen – dann müsste mir die Entscheidung doch eigentlich ganz leicht fallen: natürlich vertraue ich auf Gott! Er ist größer und stärker, Er ist meine Zuflucht und Burg, bei Ihm bin ich sicher und geborgen…
Wie oft habe ich das schon gebetet oder gesungen?

Aber ich glaube, vielen von euch geht es da genauso, wie mir:
Wenn ich in einer Wüstenzeit bin – total im Stress oder voller Sorgen – dann suche ich zuerst mal selber nach Lösungen.
Also ich laufe in der Wüste im Kreis und grabe mit den Händen nach Wasser.
Meistens habe ich damit eher wenig Erfolg.

Schauen wir nochmal zur Lesung, wie es dem Volk in der Wüste geht und was Mose macht: das Volk hat Durst und Mose ist ihr Anführer. Das Volk beschwert sich bei ihm und es beschwert sich sogar über die Rettung aus Ägypten. "Warum hast du uns von dort weggeführt? Dort sind wir zumindest nicht verdurstet!"

Wie handelt Mose in dieser Situation?
Er hat sicher auch Durst und er hat die Verantwortung für sich und für das Volk.
Zuerst versucht er zu argumentieren: "Warum streitet ihr mit mir? Warum zweifelt ihr an Gott? Vertraut ihr mir nicht? Vertraut ihr Gott nicht?"

Das Volk hört aber nicht auf – sie haben Durst und brauchen Wasser.
Und dann versucht Mose nicht mehr, sie selber zu beruhigen, sondern er geht mit seinem Problem zu Gott: „Herr, was soll ich mit diesem Volk tun?“

Ich finde diese Frage wundervoll, weil sie so einfach ist:
„Herr, was soll ich tun?“ [Folie 5]

Nach dieser Frage – nachdem Mose Gott um Hilfe fragt – greift Gott ein und dann wird die Wüste zum Ort eines Wunders, zum Ort des Heils und der Gottesbegegnung.

Diese Erfahrungen machen Mose und das Volk ganz oft: sobald sie sich zu Gott wenden, ist Er da und verändert ihre Situation.
Sie erleben in der langen Zeit in der Wüste, dass Gott sie nicht alleine lässt, dass Er sie versorgt und ihnen immer wieder ganz intensiv begegnet.

Vor einigen Wochen haben wir am Sonntag hier im Gottesdienst ein Zeugnis gehört von jemandem, der auch total im Stress war. Er hat gesagt, dass alles zu viel geworden ist, dass viel zu viel los gewesen ist in seinem Leben.
Aber von dem Moment an, wo er wieder die Beziehung zu Gott an die erste Stelle gesetzt hat, ist es ihm besser gegangen, da haben sich Dinge verändert.

Die Beziehung zu Gott an die erste Stelle setzen.
Da geht es noch gar nicht um tatsächliche Lösungen für die aktuellen Probleme.
Denn ob und wie Gott unsere Probleme löst, das liegt nicht an uns und nicht daran, was wir tun und wie unsere Gottesbeziehung aussieht, sondern ganz allein bei Gott und da hat Er oft vollkommen andere Wege als wir.

Aber wenn wir es schaffen, uns ganz auf Ihn zu konzentrieren, wenn wir Ihn einladen, dass Er mit uns durch die Wüste geht und uns hilft, dann ist das der erste Schritt, damit wir in der Wüste überleben können; damit Gott uns hilft - denn Er drängt sich nicht auf.
Dieser erste Schritt ist wirklich der allerschwerste, weil wir damit die Kontrolle an Gott abgeben und uns ganz auf Ihn verlassen.
Damit kann dann auch für uns eine Wüstenzeit zur Zeit der Gottesbegegnung, der Wunder und des Heils werden.

[Folie 6]
Daran erinnert uns dieses Jahr auch die Jahreslosung aus Offb 21,6
Gott spricht: "Ich will dem Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst."

Gott will uns Wasser geben, Gott wird uns Wasser geben – das ist Seine Zusage an uns.
Und wir dürfen zu Ihm kommen und es annehmen.
Aber in sehr stressigen Zeiten, wenn wir eine Durststrecke erleben, ist das aber nicht immer leicht.
Das haben wir vorher schon festgestellt - wir versuchen oft, alles selbst zu lösen - und auch beim Volk Israel ist es ja immer wieder so, dass sie in der Wüste alles Mögliche machen statt sich auf Gott zu konzentrieren.

Deshalb ist es in Wüstenzeiten manchmal gut und wichtig, sich ganz bewusst Zeit für Gott zu nehmen.
Das heißt: wenn Du innerlich durch die Wüste gehst, wenn Du seelisch und geistlich am Verdursten bist und keine Kraft mehr hast, dann geh auch äußerlich in die Einsamkeit; werde für kurze Zeit zum Eremit.
Auch Jesus hat das getan – wir lesen mehrmals, dass Er sich in die Wüste zurückgezogen hat, um ganz mit Gott alleine zu sein. Er hat alles hinter sich gelassen, hat alle Anforderungen und alle Menschen, die etwas von Ihm wollen, hinter sich gelassen und sich ganz bewusst in Gottes Hände begeben.
Das dürfen und sollen wir auch tun.

Und vor allem wenn Du jetzt denkst: „dazu habe ich viel zu viel Stress“ oder „keine Zeit“ oder „dazu bin ich viel zu erschöpft“ – genau dann ist es wahrscheinlich wirklich wichtig, dass Du dir diese Zeit nimmst. Vielleicht beim ersten Mal nur einen Tag oder ein Wochenende.
Es gibt auch hier in Wien einige Orte, wo solche „Tage der Stille“ angeboten werden – einfach mal im Internet danach suchen.
Ich selbst war letztes Wochenende im „Haus der Stille“ in der Nähe von Graz und es war wirklich, als ob Gott nur drauf gewartet hat, dass ich mir endlich Zeit für Ihn nehme…

Aber kommen wir nochmal zur Lesung zurück: in diesem Text geht es ja nicht primär darum, dass Mose selbst Wasser braucht – natürlich wird er auch durstig gewesen sein, aber das wird an dieser Stelle nicht erwähnt – sondern das Volk ist durstig.

Damit kommt jetzt ein weiterer wichtiger Aspekt dazu.
Wir sind ja nicht die einzigen, die Wüstenzeiten erleben.
Es gibt viele unterschiedliche Wüsten im Leben jedes einzelnen Menschen.
Wie viele Menschen in Deiner Umgebung – die Gott vielleicht gar nicht kennen - haben Durst nach einem erfüllten Leben, nach Freude und nach Liebe?
Wie viele suchen nach Gott?
Und wie viele, die Ihn schon kennen, zweifeln in schweren Zeiten an Ihm und stellen Ihn vielleicht auch auf die Probe, so wie das Volk damals in der Wüste.
„Ist Gott hier bei mir oder nicht? Gibt es Ihn überhaupt? Warum hilft Er mir nicht?“ Solche Gedanken gibt es in diesen Wüstenzeiten immer wieder. Und solche Zeiten können leider auch dazu führen, dass Menschen die Hoffnung verlieren – und auch ihren Glauben an Gott.

Wenn wir in einer Wüstenzeit erleben durften oder es aktuell erleben, dass Gott uns Wasser schenkt, dann dürfen wir das zuerst einmal dankbar annehmen und uns stärken lassen.
So wie Mose: auch er hat ja viele intensive Begegnungen mit Gott.
Die beiden reden „von Angesicht zu Angesicht“, Mose streitet mit Gott und stellt Ihm Fragen, er ist Ihm ganz nahe. Das dürfen wir auch erleben!
Aus diesen Begegnungen heraus, aus dieser Nähe zu Gott hat Mose die Kraft, seine Aufgabe zu erfüllen - und den Segen Gottes an das Volk Israel weiterzugeben.

Genau so haben wir den Auftrag, diese Kraft, die Gott uns gibt, an andere Menschen weiterzugeben.

[Folie 7]
In Johannes 4,13 sagt Jesus zu der Frau am Jakobsbrunnen: „Wer aber von dem Wasser trinkt das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“

Und ich darf an die Kurzpredigt von Karfreitag erinnern, wo wir gehört haben, dass Jesus zu Petrus sagt: „Wenn Du zu mir zurückgekommen bist, wenn Du wieder mit mir verbunden bist, dann geh und stärke deine Brüder!“ [Folie 8]

Das ist unsere Verantwortung, unsere Aufgabe in der Welt!
Gott schenkt uns Wasser in der Wüste, damit wir es weitergeben!
Stellt euch vor, ihr findet in der Wüste eine wundervolle klare Quelle, die niemals versiegt.
Ihr könnt davon trinken, bis ihr nicht mehr durstig seid – und dann versickert das Wasser im Sand.
Oder ihr könnt es in große Krüge und Flaschen füllen und für später aufheben – aber irgendwann wird es faulig werden oder verdunsten.
Das ist nicht der Sinn dieser Quelle.
Sie ist dazu da, dass auch andere Menschen davon trinken!

Aber wir können andere Menschen nur dann zu Gott hinführen, wir können nur dann Segen weitergeben, wenn wir selbst die Quelle kennen und selbst vom lebendigen Wasser erfüllt sind.

Und es ist wichtig, dass wir dabei gehorsam den Anweisungen Gottes folgen, damit Sein Segen sich voll entfaltet!
Dazu gibt es eine weitere Stelle in 4 Mose, Kapitel 20, wo auch erzählt wird, wie das Volk nach Wasser verlangt. Dort handelt Mose eigenmächtig.
Er sagt: "Höret, ihr Ungehorsamen, werden wir (also Aaron und Mose) euch wohl Wasser hervorbringen können aus diesem Felsen?"
Er stellt sich damit selbst über Gott.
Gott schenkt trotzdem Wasser, aber Mose darf als Strafe später nicht mit in das gelobte Land gehen, das Gott dem Volk schenkt.

Wenn wir eigenmächtig handeln und in unserem Namen etwas weitergeben, was wir von Gott geschenkt bekommen haben, oder wenn wir überhaupt ohne Gottes Auftrag handeln, dann hat das keine guten Auswirkungen.
Aber auch da dürfen wir sicher sein: Gottes Segen hängt nicht von unseren Handlungen ab. Wenn Gott jemanden zur Quelle führen möchte, wenn Gott jemanden segnen möchte, dann tut Er das auch.
Wenn wir eigenmächtig handeln, dann werden wir das in irgendeiner Form spüren.
Aber Gott bleibt Seinen Verheißungen treu!
"Ich will dem Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst." - darauf können wir uns verlassen.

Als Zusammenfassung:

Es gibt in unserem Leben immer wieder lebensfeindliche Wüstenzeiten [Folie 9], wenn wir einsam sind und in einer Situation keine Aussicht auf Veränderung sehen; wenn wir erschöpft sind und uns fühlen, als ob wir ganz weit von der Quelle des Lebens entfernt sind.

Der wichtigste Schritt ist dann, dass wir Gottes Gegenwart suchen und Ihn bitten, mit uns durch diese Wüstenzeit zu gehen [Folie 10]

Dazu ist es manchmal sehr hilfreich, wenn wir auch äußerlich die Einsamkeit suchen, damit wir uns ganz auf Gott konzentrieren und damit wir uns von Ihm versorgen und beschenken lassen.

Und dann kann die Wüste vom lebensfeindlichen Ort zum Ort des Heils werden, weil wir dort Gottes Gegenwart erleben. [Folie 11]

Wenn wir neu gestärkt sind durch Gott, durch Seine Kraft, dann haben wir den Auftrag, Ihm gehorsam zu folgen und andere Menschen, die ebenfalls Durst nach wahrem Leben haben, zur Quelle zu führen. Wir sind dann Wegweiser zur Quelle. [Folie 12]

Und das gilt nicht nur für uns als einzelne Menschen, sondern auch für uns als Gemeinde. [Folie 13]

In unserer Vision haben wir formuliert, dass wir Rettungsstation sein wollen; dass wir Raum schaffen wollen, wo Menschen Gott begegnen können.
Überlegen wir auch immer wieder, wie wir das ganz konkret tun können – wie vor einigen Wochen beim Frühlingsfest; wenn Menschen zu uns in den Gottesdienst kommen; beim Frauenfrühstück oder in Kleingruppen.

Suchen wir als Einzelne und als Gemeinde immer wieder neu Gottes Nähe, lassen wir uns von Ihm beschenken und geben wir das, was Er uns gibt, voll Freude weiter!

Amen.